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Rollerfahren durch Vietnam. Lebensmüde oder richtig Lebendig?

Ich habe Dana kurz vor unserer Vietnam Reise mit der frohlockenden Botschaft überrascht, die 2000km mit dem Motorroller zu fahren.

Da sie allerdings schon mit einem Fahrrad so Ihre Schwierigkeiten hat musste ich mich vorher auf Ablehnung dieser vagemütigen Idee eingestellt- Jedoch sie hat zugestimmt...der Liebe sei Dank :)

 

Wir wollten die Möglichkeit haben jederzeit anhalten zu können, anstatt wie im Zug oder Bus an Allem vorbei zu rauschen. Vor allem verpasst man sonst die kleinen Dörfer fernab der Touristenhotspots.

In anderen Blogbeiträgen wird ein Roadtrip durch Vietnam als eines der atemberaubendsten Erlebnisse der Welt beschrieben. Allerdings wird schon fast chronisch zum Ende einjedes Vietnamblogs von den Tücken des "tödlichsten Straßenverkehrs der Welt" berichtet. 

"Gesetz des Stärkeren, dauerhupende und betrunkene Verkehrsteilnehmer, Tiere und Menschen die willkürlich die Straße kreuzen, entgegenkommende Geisterfahrer und keinerlei Regeln" , heißt es in vielen Berichten. Selbst ein einfaches wechseln der Straßenseite wird von einigen Touristen als schlichtweg "nicht möglich" beschrieben. Tatsächlich haben wir später mit Touristen gesprochen die in Ihrem kompletten Aufenthalt dort keine einzige Straße überquert haben:D

 

So wollten wir nicht enden, und somit soll dieser Blogbeitrag ergänzend zu einer Einführung ins Thema Roadtrip Vietnam vor allem zwei Dinge erfüllen. 

Zum einen soll er euch die Angst nehmen.

Es ist vieles Anders in Vietnam, aber Angst hat man nur solange man etwas nicht kennt. Und genau aus diesem Grund, nämlich unseren Horizont zu erweitern und das Unbekannte schrittweise Bekannt zu machen, haben wir doch alle einst angefangen zum ersten mal unsere Backpacks zu packen.

Zum anderen möchten ich euch anhand von Danas Beißpiel zeigen, dass sich auch ein völliger Anfänger(Noch nie auf einem Roller gesessen) innerhalb von wenigen Wochen unglaublich Pudelwohl dabei fühlen kann über die noch so überfülltesten Kreuzungen Saigons zu düsen.  Selbst als Ihr Roller mitten in einem Kreisverkehr zwischen hunderten von hupenden Verkehrsteilnehmern spontan zum erliegen kam, stieg sie ganz gelassen ab und schob sich seelenruhig durch den Verkehr an den Straßenrand. Ich konnte diesem Schauspiel nur staunend zusehen!:)

 

 

Der Plan- es gibt keinen Plan

Dana mit Ihrem wunderhübschen blauen @fjälräven Backpack
Dana mit Ihrem wunderhübschen blauen @fjälräven Backpack

Ich reise ohne Plan. Selbstverständlich nicht Naiv ohne mich vorher über elementare Dinge zu informieren. Einen Flug Buche ich schon, auch sollten die Papiere stimmen und in etwa die richtige Kleidung mitgeführt werde. Auch sollte man sich im groben etwas über das Land informieren.(Man möchte ja nicht so Enden wie der feine Backpackerkollege Christopher McCandless aus dem Film Into the wild.) Aber auch eben nur etwas

 

Denn, dass spannende ist es doch ein Land wirklich selbst zu erkunden. Zu beobachten wie die einheimischen Ihre Pho mit Limette und Peperoni würzen. Zu sehen wie beinahe die komplette Landbevölkerung in Vietnam gekonnt Sonnenblumenkerne entkernt. Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln und immer wieder den Austausch mit den Menschen zu stehen. Um sich sein ganz persönliches Bild machen zu können um vllt nach ein paar Wochen selbst ein Experte im Sonnenblumenkerne knacken zu sein.  Und nicht schon von vornherein auf jedes noch so erdenkliche Problem vorbereitet zu sein. Es macht nämlich auch unglaublich Spaß anfallende Probleme mit Händen und Füßen und etwas Verstand selber zu lösen:) 

Daher wird es hier keine Step-by-Step Anleitung geben, denn wenn Ihr danach sucht, dann empfehle ich euch doch lieber den Pauschalurlaub im All-Inclusive Hotel auf Mallorca oder in Ägypten.  

  

 

Vietnam das Reich der Motorräder.  Das kann man wohl sagen. Es ist günstig, sprintsparender als ein Auto und wie wir recht schnell bemerkt haben bietet so ein Scooter auch leicht Platz für bis zu 5 Personen. Aber nicht nur die die komplette Familie inclusive Oma wird hier auf die klapprigen Gefährte geklemmt, nein auch Tiere, Möbel oder gleich die komplette Streetkitchen wird hier fachmännisch untergebracht. Sieht ulkig aus aber funktioniert hervorragend.

 

Nach unserer Ankunft in der Stadt Hanoi und einer drei tägigen Akklimatisierung  suchten wir  im Internet nach gebrauchten Rollern. 

Auf der Webseite Craigslist oder in lokalen Facebookgruppen werden Scooter von ehemals Reisenden angeboten. Aber auch an Hosteleigenen Pinnwänden wird man schnell fündig oder Ihr fragt einfach direkt andere Reisende. Viele Backpacker kommen nach einem Roadtrip in Hanoi oder Saigon an und müssen vor Ihrem Rückflug noch schnell Ihre Roller loswerden. 

Möchtest du auf Nummer sicher gehen gibts es aber auch Haufenweise Shops/Werkstätten die gebrauchte Roller zum Kauf oder zum Ausleihen anbieten. Dieses Spiel aus " Tourist kommt in den Süden, kauft Roller, fährt in Norden, Verkauft Roller, Tourist kommt in den Norden, kauft Roller, fährt in den Süden... usw geht hier schon seit Jahren und manch ein Roller kennt den Weg wahrscheinlich schon auswendig. 

Nachdem wir einige Backpacker angeschrieben hatten und nach zwei Tagen noch nicht das passende Gefährt dabei war bin ich durch TripAdvisor auf eine ziemlich gut bewertete Werkstatt gestoßen. "James Hanoi Motorbike Companie ", wie er sich selbst ganz bescheiden auf seiner Webseite betitelt. 

Also haben wir uns in ein Taxi gesetzt und Ihn besucht.

 

 

James Motorbike Company

 

"James Motorbike Company" liegt in einer ruhigen Seitenstraße. Als wir ankamen standen bereits zwei weitere Backpacker vor seiner in Wahrheit doch ziemlich überschaubaren und á la Ludolfs Style geführten Garage. Zusammen mit James, schraubten sie an ihren Motorrädern herum. James ist ein aufgeweckter Vietnamese der gutes Englisch spricht. Ein absoluter Vorteil denn unser Vietnamesisch war am dritten Tag unseres Aufenthaltes noch leicht schwammig. ;-)

Einige Mittarbeiter standen vor einem komplett bis aufs Skelett zerlegten Roller. Sah ziemlich cool aus wie ich finde. 

 

Es war nicht unschwer uns als Neuankömmlinge zu erkennen und so kam er freundlich auf uns zu. Wir berieten gemeinsam welcher Roller wohl für uns ins Frage käme. Da wir nicht wussten wie lange wir unterwegs seien würden entschieden wir uns dazu zwei Roller zu kaufen, allerdings mit dem Deal er würde die Roller nach Abschluss des Roadtrips zurückkaufen. Ein Partner aus Saigon würde die Roller entgegennehmen und sie Ihm per Zugtransport zurückschicken. Ca 30-40 Prozent des Kaufpreises würde er als Gage einbehalten. Da wir nicht wussten wie lange wir unterwegs sein würden fanden wir diesen Vorschlag besser als die Roller auf unbestimmte Zeit per Tagessatz zu leihen. 

Diese Vorgehensweise ist in Vietnam sehr weit verbreitet und fast jeder Rollerdealer bietet den späteren Rückkauf an.

 

 

Zur Auswahl stehen generell drei Modellarten. Automatik, Halb- Automatik und mit manueller Schaltung. 

Die Automatik Roller eigenen sich für den Stadtverkehr und sind für Anfänger am einfachsten zu Handhaben. Wenn man sich aber auf längere Strecke und durch die Berge wagen möchte sollte man sich für die Halb-Automatischen oder manuellen Maschinen entscheiden. Die Manuellen Roller sehen cooler aus und haben schon mehr etwas von einem richtigen Motorrad. Sie wirken schwerfälliger und sind daher gerade für Menschen ohne Roller Erfahrung schwieriger zu Handhaben. Bei den halb-Automatischen Rollern muss man immer noch per Pedal eine Kupplung bedienen, aber das geringere Gewicht und die Wendigkeit waren letztendlich überzeugend. 

Des weiteren gibt es gefälschte Chinesische Roller Modelle, die unseren Recherchen nach eine wesentlich kürzere Beständigkeit haben. Uns wurde hier von anderen Backpackern berichtet die auf Ihrem Roadtrip alle 2-3 Tage eine Werkstadt aufsuchen mussten. Also viel unsere Wahl auf Original Roller aus Japan, die allerdings auch etwas teurer sind.

 

Nachdem James uns mit unseren Japanischen Honda Wave  bekannt gemacht hat ging es an die ersten Fahrstunden. Da ich in Thailand bereits Erfahrungen sammeln konnte, hatte ich mich nach einigen Runden vor James Werkstatt an das Gefährt gewöhnt und kam gut damit zurecht. 

Allerdings ist Dana ihr leben lang nur Auto gefahren. Jetzt auf einmal auf zwei der Reifen zu verzichten ist da schon gar nicht so einfach. Wir hatten aber keinen Zeitdruck und so konnte sich Dana unter James fachmännischer Aufsicht nach und nach daran gewöhnen. Wobei das Schalten eher eine nebensächliche Sache war sondern viel mehr das Gefühl für Gleichgewicht, Beschleunigung, Kurven und Gewichtsverlagerung waren ein echt harter Gegner. 

Nach ein paar Stunden fuhren wir mit dem Taxi zurück zum Hostel und James traf noch letzte Vorbereitungen. Er installierte uns einen Gepackträger für unsere Backpacks sowie eine Handyhalterung und Ladestation. Am nächsten Tag fuhren wir zurück, unterschrieben den Vertrag, machten Fotos für möglicherweise entstehende Macken und befestigten unsere Backpacks. 

Wir bezahlten in Bar mit dem Vertrauen in Saigon einen großen Teil des Geldes zurückzubekommen. 

Und los ging es... beinahe. Denn zuerst gab uns James die Aufgabe in die 3 km entfernte Tankstelle zu fahren die Roller vollzutanken(ca.3 Euro pro Roller) und zu Ihm zurückzukehren. 

Diesen kleinen Fahrtest halte ich für sehr clever, denn so läuft niemand Gefahr sich zu überschätzen und James wäre schnell zur Hilfe falls etwas nicht klappt. 

Wir kamen nach kurzer Zeit tatsächlich heile zurück.

Zum Schluss bekamen wir noch James private Handynummer, über die wir Ihn praktisch 24/7 erreichen könnten und er für uns bei Problemen mit den Rollern helfen würde. 

Somit hatten wir bei jeder Werkstatt immer einen Dolmetscher dabei der sich perfekt mit den Preisen für z.B. einen Ölwechsel auskennt und weiß was, wie, wann, wo getan werden muss. Da in den ländlichen Regionen zu 99 Prozent kein Englisch gesprochen ist dies ein wirklich toller kostenloser Service und man hat das Gefühl James als eine Art kleinen Schutzengel immer dabei zu haben. Wenn Ihr auch diesen kleinen Schutzengel wollt schaut gerne bei James vorbei.

Und somit konnte die Reise beginnen. 

Hupen aus Leidenschaft

Wasserbüffel in Vietnam. Sie sind fabelhafte Wesen mit einer unglaublichen ruhe und stärke.
Und noch traditioneller geht es auf dem Wasserbüffel. Plane allerdings ein paar Tage mehr für die 2000km ein.

Im folgenden Abschnitt möchte ich speziell auf den Verkehr in Vietnam eingehen. 

In Vietnam gibt es sogut wie keine Verkehrsregeln und es klappt hervorragend. Warum ?

Ganz einfach,weil sie es nicht anders kennen.

Wir sind so von Schildern, Regeln und Vorschriften an ein System gewöhnt, dass wir immer mehr unsere eigenen Sinne ausser Acht lassen. Wenn in Deutschland mal eine Ampel übersehen wird oder ein Vorfahrtsstraßen Schild missachten wird, dann kracht es. Nicht so für einen Vietnamesen, Jeder beachtet Jeden. Rücksicht, Vorsicht und mitdenken sind hier noch sehr elementar um im Straßenverkehr zurecht zu kommen.  Man fährt da wo es Sinn ergibt und nicht da wo es vorgeschrieben ist. Ja es wirkt auf den ersten Blick Chaotisch . So haben wir zb auch mal eine Kreuzung gesehen in der jeglicher Verkehr zum stehen kam, da sich die Fahrzeuge so veheddert haben, dass es weder vor noch zurück ging. Was aber nicht bedeutet, dass die Vietnamesen schlecht oder rücksichtslos fahren. Viel mehr haben diese Länder mit urbaner überbevölkerung ein Problem schnell genug von einem System der Rücksicht, zu einem System der Regeln zu wechseln.

Dennoch....

Wenn ich in Deutschland bei Rot über die Straße gehe, laufe ich hohe Gefahr umgefahren zu werden. Wenn ich in Vietnam einfach über die Straße gehe sind meine Chancen heile anzukommen ein vielfaches höher. Die Sinne der Autofahrer sind einfach noch aktiv und es wird sich eben nicht blind auf die Regeln verlassen. 

Je mehr man diese Tatsache versteht, desto mehr lernt man sie zu lieben. Kein ständiges Warten an Ampeln, kein ewiges Warten beim Linksabbiegen sondern ein vorsichtiges, langsames Weiterfahren und Ausweichen der anderen Verkehrsteilnehmer. Grade als Rollerfahren gibt es praktisch nichts, dass dich aufhält und gerade dass, macht unglaublich Spaß. Ich glaube neben der Natur ist auch dies ein Grund dafür warum viele das Rollerfahren durch Vietnam so lieben. Der Fahrspaß ist noch zu spüren. Als ich im alter von drei Jahren zusammen mit meinem Nachbarn Bobbycar gefahren bin, hatten wir auch keine Verkehrsregeln. Und es hat auch funktioniert. (ausser natürlich wir wollten uns bewusst crashen :) 

 

 

 

Abschließend möchte ich in diesem Abschnitt dennoch auf einige Gefahren hinweisen, bzw mit dem ein oder anderen Vorurteil gegenüber Vietnams Verkehr aufräumen. 

 

Geisterfahrer? 

Gefahren wird rechts, dennoch gibt es stets Gegenverkehr der am rechten Straßenrand langsam auf einen zukommt. Daher die Augen auch auf den Rechten Straßenrand werfen. Wenn jemand nur eine kurze Strecke zurück möchte, Beispielsweise wenn man an seinem Haus vorbeigefahren ist, wird häufig einfach am Straßenrand der selben Spur gewendet. Da solch eine Situation niemals auf unseren heimischen Straßen vorkommt, viel es mir hier am schwierigsten mich daran zu gewöhnen. Selbst nach mehreren Wochen auf der Straße rutschte mir ab und zu mein Herz in die Hose wenn ich den rechten Straßenrand ausser Acht gelassen hatte. 

Egal wo du dich in Vietnam befindest, sei darauf gefasst, dass stets etwas die Straße kreuzen könnte. Ob Huhn, Kuh oder Kind. Die Straße gehört nicht nur den Autos und da man Bürgersteige vergebens sucht, ist auf den Straßen immer allerhand los. Also OOObacht.

 

Nacht

Es wird relativ früh dunkel in Vietnam, also haben wir geschaut dass wir immer so gegen 16-17 Uhr ein Hostel für die Nacht gefunden hatten. 

Im dunkeln zu fahren ist aufgrund der fehlenden Straßenbeleuchtung wirklich problematisch. Auch fahren große Lkws oder Busse gerne bei Nacht, da die Straßen dann freier sind. Auch ist nicht immer davon auszugehen, dass jedes Fahrzeug funktionierende Lichter hat. 

Hinzu kommen Tiere die unwillkürlich die Straße kreuzen könnten. 

 

Scooter first!

Roller fahren immer nach ganz vorne. An Kreuzungen fahrt Ihr mit dem Roller stets in die allererste Reihe. Vor alle Autos. So verhindert Ihr, dass ihr zwischen den Verkehrsriesen übersehen werdet und seid schneller aus der Gefahrenzone sobald sich der Verkehr in gang setzt. Erwähnenswert ist dass Linksabbieger teilweise schon ein paar Sekunden eher losfahren um möglichem entgegenkommendem Verkehr zuvorzukommen. Einfach schauen wie es die Einheimischen vormachen. 

 

Schön Eng

Der Vietnamesische Verkehr in den Städten ist häufig unglaublich Eng. Bedeutet, dass oft nur wenige Zentimeter abstand zu anderen Verkehrsteilnehmer besteht. In diesen Situationen steht man aber meistens oder fährt sehr langsam. Solange der Nebenmann nicht fürchterlich stinkt, gar kein Problem und nur gewöhnungsache. 

 

Unfälle

Andere Abenteuerlustige berichten häufig von Unfällen die sie während Ihrer Reise immer wieder zu Gesicht bekamen. Dies kann ich bestätigen, auch wir haben ca. 2 oder 3 "Rollerunfälle" gesehen. Allerdings muss man auch erwähnen, dass es sich bei Rollerunfällen sehr häufig nur um kleine Schürfwunden handelt. Einen Helm solltet ihr trotzdem bitte immer tragen. Auch in Deutschland gibt es täglich LKW Unfälle auf der Autobahn hier aber meist mit drastischeren Folgen. 

 

Hupen aus Rücksicht

Um nicht völlig eingeschüchtert und unsicher seinen ersten Tag auf Vietnams Straßen zu verbringen, müssen wir uns von alten Annahmen trenne. Wir kennen es zu Hupen wenn jemand vor uns nicht in die Puschen kommt oder wenn tatsächlich eine hochgefährliche Situation entsteht. Wir deutschen sind Mecker-Huper. Als Wecker-Huper nach Vietnam zu kommen gibt einem das Gefühl dauernd etwas falsch zu machen. In Vietnam wird zwar andauernd gehupt, jedoch in keinster Weise mit einem negativen Touch. Niemand beschwert sich oder ist ungeduldig wenn er hupt. In Vietnam ist die Hupe so etwas wie eine akustische Hilfe um sich bemerkbar zu machen. Ein Hilfssignal um die anderen Verkehrsteilnehmer auf sich aufmerksam zu machen. Es wird aus Rücksicht gehupt. 

Es warnt euch davor plötzlich die Spur zu verlassen während jemand an euch vorbeifahren möchte oder um eine Kurve kommt. Je lauter die Hupe desto größer das Fahrzeug. Um auf den wenigen Straßen in Vietnam überhaupt einen Fernverkehr möglich zu machen fahren vor allem die Busse in einem recht hohen und konstanten Tempo. Daher bitte unbedingt schön weit rechts fahren und die großen Busse vorbeifahren lassen. Diese melden sich aber vorbildlich durch Hupen an. Also merke! Kein Stress bekommen wenn gehupt wird, sondern einfach kurz in den Rückspiegel schauen und von riskanten Schlängelfahrten absehen. 

Schon nach ein paar Tagen war es für uns völlig Selbstverständlich und auch wir haben munter mitgehupt. 

 

Straßen

Die Straßen in Vietnam sind hervorragend. Außer ein paar Ausnahmen ist die Straße in makellosem Zustand und es macht einen Heiden Spaß durch die Landschaft zu düsen. 

Nur wenn die Straße mal feucht ist oder sich etwas Schotter auf der Fahrbahn befindet solltet ihr absolut aufpassen, dass Ihr nicht wegrutscht. In solchen fällen einfach die Geschwindigkeit drosseln oder den Regen bei einer heißen Pho abwarten. 

 

 

Crashkurs Hanoi und ein Unfall

Wer es aus Hanoi heraus schafft, kann Roller fahren. 

Die Strecke von James Werkstatt Richtung Ho Chi Minh Road, der Straße die uns die nächsten 1000 km durch die wunderschöne Landschaft Vietnams führen sollte, stellte sich als wahrer Crashkurs für Fahranfänger heraus. Vielleicht haben wir aber auch einfach eine ungünstige Strecke gewählt. Uns kam es auf jedenfall so vor, als würden wir jeden zentralen  Verkehrsknotenpunkt der Millionenstadt mitnehmen.

Dana fuhr vor mir, sodass sie das Tempo vorgeben kann und im Falle eines Falles, wäre sofort zur Stelle. 

Am Anfang hielten wir vor  jeder größeren Kreuzung kurz an, um wieder unsere Kräfte zu sammeln und besprachen wie wir die kommende Verkehrssituation meistern würden. 

So tingelten wir Kilometer für Kilometer und Kreuzung für Kreuzung raus aus der Stadt, bis wir nach einigen Stunden endlich die freie Straße vor uns hatten. Ab jetzt sollte es nur noch geradeaus gehen. Zufrieden stellten wir an diesem Punkt fest, dass es tatsächlich gar nicht so schwierig ist und hauptsächlich Konzentration und Mut wichtig sind. 

 

Nach einer Woche auf der Straße kam der erste kleine Unfall. 

Dana kippte beim Anfahren auf etwas schlammigen Straße einfach um und sie lag unter ihrem Roller begraben mitten auf der vierspurigen Fahrbahn. Neben ein paar Kratzern auf dem Roller und auf Danas Knie ist jedoch nichts schlimmeres passiert. Jedoch hat uns dies sehr gut gezeigt wie hervorragend das Reaktionsvermögen der Vietnamesischen Verkehrsteilnehmer ist. 

Innerhalb Bruchteilen von Sekunden kamen mehrere Lkws und Autos zum stehen und noch bevor ich bei Ihr war, halfen Ihr die ersten Rollerfahren auf. 

Solch eine schnelle Reaktion in so einer brenzlichen Situation hatte ich nicht erwartet und ich bin mir nicht sicher ob in Deutschland ähnlich hoch die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer gewesen wäre.

 

Die restliche Strecke blieb Unfallfrei. Und mit jedem Kilometer wurden unsere Sinne schärfer und das fahren entspannter. Als wir nach mehreren Wochen in Saigon ankamen hatten wir uns regelrecht auf den Stadtverkehr gefreut und sind mutig (sogar bei Nacht) durch die Innenstadt gesaust. Der Abschied von unseren Rollern in Saigon war ein richtig emotionaler Moment und wir vermissen beide unsere Honda Wave unglaublich doll. 

 

Rollerfahren wie in Vietnam? Ja bitte !!!

Roller Roadtrip durch Vietnam in Asien
Valentinstag auf zwei Rädern

Rollerfahren in Vietnam ist spannend, macht Spass und wer Sicherheit will der sollte zusehen sein Wohnzimmer nicht zu verlassen. Sobald man Sein Wohnzimmer verlasst gibt es Schwierigkeiten, Stress, Gefahren, Schmerzen, Freuden, und im schlimmsten Fall auch den Tod. Aber es gibt vor allem eines. Nämlich das Leben selbst. Authentisch mit seinen Höhen und Tiefen. Und wer eine ganz große Portion davon erleben will der schwinge seinen Hintern hoch und fährt 2000km durch eines der wohl wundervollsten Länder der Welt. 

Ein Maximum an Freiheit bei einem minimum an Kosten durch einen der wundervollsten Orte auf dieser Welt. 

Danke Honda Wave, Danke Vietnam, Danke James und vor allem Danke Dana, dass du die Angst besiegt hast um mit mir dieses Abenteuer zu erleben.

Ich hoffe Dana konnte all den Fahranfängern etwas Mut spenden und eure Lust auf Abenteuer besiegt die Angst vor der Angst. 

In diesem Sinne,

Döt Döt

Benjamin